Das mächtige Geläute von St. Nikolaus in Wil wirkte als tontiefer siebenstimmiger Chor (g° b° c’ d’ es’ f’ g’) schon immer eindrucksvoll. Durch die mit Beton ausgekleidete Turmstube und die Akustik auf dem weiten geschlossenen Kirchplatz macht das dröhnende Plenum alles andere zum Stummfilm, obwohl es die Schwelle von 100 dB(A) nicht überschritt. Ende 2022 unterzog man das Geläute (mit Muff AG und Fabian Thürlimann als Berater) einer Klangoptimierung, indem die Klöppelvorschwünge eingekürzt wurden. Die grosse Glocke hatte bereits um 1990 einen herkömmlichen Kugelklöppel erhalten, die übrigen sechs waren seit gut 10 Jahren mit schweren Muff-Klöppeln ausgestattet. Dass diese Vorschwünge unnötig viel Masse ins System gebracht haben, zeigte sich bei der Tarierung, denn trotz teils hälftiger Einkürzung können die Glocken auch seither ohne drastische Läutewinkelerhöhung geläutet werden. Das Geläute ist homogener und grundtöniger geworden, wirkt zwar nach wie vor sehr kräftig, aber nicht mehr brüllend. Besonders gewonnen hat die grosse Glocke – an ihr zeigt sich, dass die üblichen Gehler-Klöppel bei einer Einkürzung des Vorschwungs gerade für Glocken an Stahljochen eigentlich nichts zu wünschen übriglassen.
Matthias Walter, Glockenexperte